An unserem letzten Tag in Marokko können wir noch einmal ausschlafen und nutzen das auch ausgiebig. Nach dem Frühstück und ein paar Runden Kaffee packen wir das Auto, bereiten eine Kiste vor, die wir später mit auf die Fähre nehmen können und gehen noch einmal duschen. Da wir den Campingplatz erst heute morgen im Hellen sehen, wird uns klar, dass dieser scheinbar der Hauptanlaufplatz für Neuankömmlinge ist. Zahlreiche Wohnmobile aus ganz Europa bunkern hier noch einmal Wasser, bevor sie auf weitere Entdeckungsreise in Europa gehen. Gegen 12 Uhr machen wir uns auf den Weg, müssen aber noch einmal am Geldautomaten Geld für den letzten Tag holen. Zum ersten Mal seit wir in Marokko sind, haben wir allerdings Probleme Geld zu bekommen. Auch wenn wir alle verschiedenen Karten ausprobieren, die wir mithaben, müssen wir schließlich auf einen anderen Automaten ausweichen.

Um zügig nach Tanger zu kommen entscheiden wir uns wieder für die Autobahn und erreichen so schon nach anderthalb Stunden unser Zwischenziel zu erreichen. Wir haben beschlossen, noch einmal durch die Stadt zu bummeln und eventuell ein paar Mitbringsel einzukaufen. Wir halten noch einmal am Marjane an, um uns für die Überfahrt einzudecken und fahren dann zum Hafen von Tanger-City. Dort parken wir am alten Bahnhof für 20 DH und müssen so einigen Fährticketverkäufern ausweichen, die auch mal vor unserem Auto auf die Straße springen, um uns ein Ticket zu verkaufen. Wir sind zum Glück schon versorgt, aber das interessiert die Jungs natürlich herzlich wenig.

Schon auf dem Weg in die Medina (ca. 200 Meter) merken wir, dass hier die Uhren wieder etwas anders ticken, als noch in Rabat. Man bekommt relativ unverblümt Gras angeboten und auch in der Altstadt laufen sehr viele Touristen herum. Natürlich ist auch das Angebot genau auf diese Zielgruppe zugeschnitten und wir finden nicht wirklich etwas, was uns anspricht. Wir laufen wie immer planlos umher, biegen am Fischmarkt in eine der unscheinbarsten Gassen ab und landen nun doch in einem sehr ursprünglichen Souk. Hier kann man in dunklen Gassen interessante Sachen kaufen, deren Ursprung sicher nicht in jedem Fall eindeutig ist: Neben angefangenen Nudelpackungen über halbe Autoradios bis hin zu gebrauchten Gebissen bekommt man hier scheinbar alles. Wir lassen es dieses Mal nur beim Anschauen und schlagen uns zurück zum Obstmarkt durch. Dort decken wir uns noch einmal mit Mandarinen und Bananen für die Rückfahrt und die ersten Tage zu Hause ein.

Zufällig kommen wir am Auto vorbei und haben so die Möglichkeit uns noch einmal anhand der Karte zu orientieren. Wir nehmen einen kleinen Snack zu uns und beschließen dann, eine zweite Runde durch die Medina zu machen. Dieses Mal bekommen wir nichts angeboten, werden stattdessen von einem kleinen Jungen angebettelt. Zuvor hatten wir schon beobachtet, wie er das gleiche Programm bei einer jungen Frau ein paar Meter vor uns abgezogen hat. Auch bei uns wird er aufdringlich und schließlich frech, was im Anschluss in Beleidigungen in mehreren euroäischen Sprachen gipfelt. In dieser Souk-Runde schauen wir etwas zielstrebiger nach Hammam-Tüchern, finden aber doch nicht das Wahre. Auch als uns der Sohn eines Straßenhändlers zu seinem Bruder bringt, der mit uns in den dritten Stock eines Hinterhof-Geschäfts humpelt, finden wir nichts in der Kollektion, was uns zusagt. Da wir mittlerweile etwas Erfahrung haben, können wir uns schon nach 7 Minuten wieder aus dem Laden verabschieden.

Pünktlich zum Feierabendverkehr kommen wir zurück zum Auto. Wir haben zwar noch etwas Zeit, müssen aber auch noch ein paar Kilometer zum Hafen Tanger Med fahren, wo unsere Fähre heute Abend noch abfährt. Wir biegen ein paar Mal falsch ab und quetschen uns mit zig Autos in zu enge Kreisverkehre, aber das sind wir ja mittlerweile auch schon gewohnt. Plötzlich gibt es eine Ausschilderung zum Tanger Med über eine scheinbar neue Umgehungsstraße. Also folgen wir dieser, landen aber statt auf der Autobahn auf der Küstenstraße. Das ist bei Dunkelheit landschaftlich nicht lohnend und auch zeitlich gesehen bringt es uns keine Vorteile.

Nach einer Dreiviertelstunde Gejuckel kommen wir am Hafen an, wo uns schnell der Gegensatz zwischen Marokko und Europa auf die harte Tour klar wurde. Nur wenige Meter neben dem Haupttor, welches von vielen Polizisten bewacht wird, versuchen ein paar junge Männer die Gunst der Stunde zu Nutzen und wollen den etwa 5 Meter hohen Zaun überklettern, um auf das Hafengelände zu kommen. Wir kommen ohne Probleme auf das Gelände und checken gegen 18:30 Uhr am Schalter auf unsere Fähre ein. Auch hier versuchen wieder ein paar Helfer ein Trinkgeld abzugreifen, letztendlich ist es aber auch ohne deren Unterstützung zu schaffen. Jan fragt einen der Polizisten, durch welche Spur wir weiter fahren sollen. Die Antwort „Do you have chicken?“ verwirrt aber mehr, als dass sie hilft. Beim dritten mal Nachfragen wird dann klar, dass er wohl eigentlich „ticket“ meinte und so fahren wir weiter im Hafen. Es gibt immer mal wieder ein paar Schlangen, in denen wir uns anstellen, werden aber auch einmal einfach an allen vorbeigelotst. Nach dem Röntgen-Check des Autos unterhalten wir uns noch kurz mit einem jungen Zöllner, während wir auf unser „Go“ warten. Am GNV-Kai ist die Fähre noch nicht zu sehen und so richten wir uns erstmal wieder auf eine längere Wartezeit ein. Dort machen wir uns noch schnell zwei Salate, die wir mit in die Kabine nehmen wollen. Außerdem nutzen wir die Zeit, um ein paar Weihnachtsgeschenke zu ordern (hier haben wir zur Abwechslung mal wieder schnelles Internet mit unserer SIM-Karte). Immer wieder kommt jemand Offizielles oder jemand von der Fährgesellschaft vorbei und will unsere Pässe oder Ticket sehen. Als es schließlich doch losgeht, steht uns nur noch ein letzter Security-Check bevor, der auf der Rampe des Schiffs stattfindet. Der italienische Offizier ist ziemlich dreist und öffnet einfach ohne zu fragen unsere Heckklappe. Jan regt sich ziemlich auf, als er auch noch anfangen will, unsere Bettwäsche zu durchwühlen, der Typ behauptet aber, kein Deutsch zu sprechen… Eigentlich hatte Jan aber auf Englisch mit ihm gesprochen…

An Bord parken wir auf einem ziemlich leeren Deck rückwärts ein und müssen nicht mal ansatzweise so eng parken wie auf der Hinfahrt. Wir schnappen uns unsere gepackten Sachen und pilgern in Begleitung eines Crew-Mitglieds zum Aufzug. Oben angekommen bekommen wir unsere Kabinenschlüssel und werden von einem Steward die 20 Meter zur Kabine begleitet. Auf dieser Fähre ist die Kabine zwar deutlich größer, dafür aber auch viel dreckiger, sodass wir kurzerhand ein Bettlaken der unbenutzten Kojen zum Teppich umfunktionieren. Wir laden unsere Sachen ab und machen uns direkt auf den Weg zur Lobby. Unsere Mission lautet: Datenvolumen aufbrauchen, solange wir noch Netz haben. Wir geben alles, aber die restlichen 10 GB schenken wir unserem Anbieter… Wir gehen relativ zeitig nach dem Ablegen in die Kabine, essen noch eine Kleinigkeit, hören Hörbuch und hauen uns dann in die Federn. Es folgen weitere zwei Tage voller Langeweile und erst auf Nachfrage erfahren wir, dass die Fähre erst morgens um acht in Genua anlegen wird, sodass die Rückfahrt eher 52 statt 48 Stunden dauert.

Die Einreise in Genua verläuft sehr entspannt und wir schwätzen noch einmal kurz mit den Schweizern, die wir im Dades-Tal getroffen hatten. Die Zöllnerin verzichtet dankend darauf, unser Portapotti auch von innen zu inspizieren und wir fahren in einem Rutsch von Genua zurück ins Sauerland.