Der Plan für heute war die Küstenstraße entlang nach Norden zu fahren. Unser Tagesziel ist nur Essaouira, sodass wir nicht allzu viel Strecke machen müssen am heutigen Tag.

Nach dem Aufstehen gehen wir mal wieder kalt duschen, da es natürlich in der Zeit gerade einen Stromausfall gab. Zum Frühstück gibt es jeweils eine Scheibe Brot, dann packen wir unsere sieben Sachen zusammen und sind schon gegen elf Uhr abflugbereit. Wir sammeln das Freiburger Pärchen ein, um sie mit in die nächste Stadt zu nehmen. Da es in Imsouane keinen Geldautomaten gibt, brauchen sie Bargeld und wollen außerdem mal wieder groß einkaufen gehen. Und Internet wäre auch mal wieder ganz nett (mit unserer SIM-Karte haben wir selbstverständlich keinen Empfang). Eigentlich haben wir nur zwei Sitzplätze, aber Saskia bastelt aus unserem Bett eine bequeme Sitzgelegenheit. Das Gurtprobleme wird marokkanisch gelöst, es gibt einfach keine. Die einspurige Straße läuft von Imsouane die ganze Zeit etwa 100 m oberhalb der Küste, sodass wir spektakulärste Ausblicke haben.

An der Hauptstraße angekommen sehen wir das erste Mal das berühmte Fotomotiv dieser Gegend: Ziegen auf Bäumen. Wir sind so fasziniert davon, dass wir nicht merken, dass uns der wohl größte Fehler auf unserer Marokko-Reise passiert: Wir machen kein einziges Foto von den Kletterkünstlern. In Tanamar lassen wir die beiden Freiburger aussteigen, dort gibt es eine Bank und außerdem ist auch gerade Souk. Wir fahren weiter, wollen jedoch unbedingt noch Arganöl kaufen. Dies wird scheinbar üblicherweise bei Straßenhändlern verkauft, die hier aber wieder deutlich aufdringlicher und dreister sind. Also halten wir irgendwann bei einem der Kollegen an und lassen uns mal einen Preis sagen… Wir wissen, dass Arganöl extrem teuer ist, aber wir sind auch nicht ganz doof. 300 DH pro Liter möchte er gerne haben und das ist es uns definitiv nicht wert. Als er nicht mit sich verhandeln lassen will, steigen wir halt wieder ein und sobald der Motor gestartet ist, können wir doch über den Preis reden. Wir landen letzendlich bei 180 DH, womit wir uns dann anfreunden können. Ab 150 DH spricht man wohl von einem sehr guten Preis.

Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit biegen wir wieder ab in Richtung Atlantikküste. Wir haben genug Zeit und die Aussicht ist dort definitiv besser! Kurz bevor wir auf die P2201 abbiegen, sehen wir die ersten wilden Schildkröten, sodass diverse Fotostopps gemacht werden. Die Provinzstraße ist nur sehr kurz asphaltiert und wird recht schnell zu einer Piste. Unverhofft kommt oft. Wir fahren durch Arganienwälder und sehen vereinzelt Dromedare, sehen aber auch die ganze Zeit den tiefblauen Atlantik unter uns. Der Pistenzustand wird teils etwas schlechter, aber ist immer noch problemlos. Tatsächlich kommen wir auf einmal wieder in besiedeltes Gebiet und mit uns zusammen fährt auch ein ganz normaler PKW durch die eine Furt, die es auf dieser Strecke gibt.

Die Piste wird wieder zu einer Asphaltstraße, die Dörfer werden wieder zu Orten und auch das Gelände wird wieder flacher und bewirtschaftet. Links von uns finden wir immer wieder Sandstrände und bald durchqueren wir auch den Surferort Sidi Kaouki, halten allerdings nicht an. Gegen 15:30 Uhr erreichen wir Essaouira, checken auf dem Campingplatz ein und machen uns schon eine halbe Stunde später auf den Weg in die Innenstadt. Die ersten hundert Meter laufen wir auf einer nagelneuen, vierspurigen Straße, die allerdings scheinbar nicht an das restliche Straßennetz angeschlossen ist. 100 Meter daneben führt die (ebenfalls vierspurige) Hauptstraße, die auch gut genutzt wird… Als wir uns der Strandpromenade nähern, merken wir, dass man hier scheinbar auch wie zahlreiche andere Wohnmobile einfach auf dem Parkplatz stehen kann. Da wir vor einer Woche noch im Erg Chigaga scheinbar endlos große Dünen gesehen hatten, finden wir die angebotenen Dromedarritte und Quadtouren in den hiesigen „Dünen“ doch eher lächerlich und lassen uns auch gar nicht erst anquatschen. Über die nagelneue und noch nicht überall fertiggestellte Strandpromenade erreichen wir nach kurzer Zeit die Medina und tauchen direkt in das Vergnügen ein. Man merkt, dass hier alles schon wieder sehr touristisch ist und dementsprechend viel ist hier auch los. Wir laufen erst einmal entland der Stadtmauer, verfallen dann aber wieder in unser altes Muster des planlosen Umherirrens. Wir finden eine Bäckerei, kaufen frisches Brot und Baguette und verspeisen es direkt als Frühstück. Es ist mittlerweile ja auch erst 16:45 Uhr…

Wir schauen uns den Sonnenuntergang an und landen dann anschließend im Fischhafen, wo gerade die (hoffentlich frischen) Fänge ausgebreitet werden. Wir schauen uns das ganze Spektakel an, wollen aber eigentlich sowieso nichts kaufen. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz machen wir einen Halt in einem der Strandrestaurants und essen dort zu Abend. Zurück am Auto bemerken wir, dass wir irgendwie ziemlich großzügig mit dem Trinkgeld waren, können es aber jetzt nicht mehr ändern. Zum Glück ist es mitterweile so spät, dass wir direkt ins Bett gehen können und keine Zeit haben, uns über das verschenkte Trinkgeld Gedanken zu machen.

Essaouira ist so touristisch, dass Saskia tatsächlich nach dem Aufstehen traut Joggen zu gehen. Auf dem Rückweg bringt sie aus der Medina Baguette mit.
Wir haben eine Routine entwickelt, dass wir abwechselnd die Duschtemperatur testen. Heute ist Saskia dran: die Dusche ist mal wieder kalt und als kleinen Bonus gibt es dieses Mal auch kein Licht. Wie gut, dass es Campinglaternen gibt. Unseren ursprünglichen Plan noch mal in die Stadt zu gehen, hängen wir an den Haken, damit wir noch voran kommen heute. Wir nehmen uns nichtmal die Zeit, für das Frühstück den Tisch aufzubauen, woraufhin uns unser Campingnachbar seinen Tisch anbietet.
Um einen Abstecher zum Supermarkt kommen wir leider nicht herum, also decken wir uns noch schnell mit Kaffee, Mandarinen und ein paar weiteren Lebensmitteln ein. Die Kassiererinnen in dem Supermarkt werden tatsächlich gezwungen, Weihnachtsmannmützen zu tragen. Für unsere gesamten Einkäufe zahlen wir ca. 200 DH.
Wie schon so oft entscheiden wir uns für die Route mit der besten Aussicht und fahren über kleine Straßen entlang der Küste Richtung Norden. Natürlich kommen wir deshalb auch wieder nur langsam voran. Auf der Strecke passieren wir Safi. Zunächst eine große Baustelle, dann folgt ein Industriegebiet in dem es bestialisch nach Chemiewerk stinkt. Der Verkehr in der Stadt ist wieder einmal sehr „interessant“, aber wenn man sich dran gewöhnt und die Regeln verstanden hat, geht’s einigermaßen.
Leider sehen wir heute keine Ziegen mehr und müssen auf das heißbegehrte Foto verzichten. Zwischendurch halten wir immer mal wieder an um Wellen anzuschauen. An den Straßen versuchen ein paar Mädchen, Muscheln zu verkaufen.
Um 15:30 Uhr erreichen wir Oualidia, wo wir spontan entscheiden, die Nacht zu verbringen. Der Stellplatz kostet 30 DH und außer uns sind noch ca. 12 große Wohnmobile da, hauptsächlich Franzosen.
Wir machen einen Spaziergang entlang der Lagune und klettern ein bisschen in den Felsen herum, wo wir von einem greisen Muschelverkäufer verfolgt werden. Wir können ihn aber abschütteln. Außerdem können wir ein paar Blicke auf den streng bewachten Urlaubspalast der Königsfamilie erhaschen. Sehnsüchtig schauen wir am Strand wieder ein paar Surfern zu. Allerdings sieht das Ganze von außen betrachtet nicht so toll aus. Es ist nicht wirklich viel los in dem Ort.
Zurück am Auto verbringen wir den Abend mit ein paar Runden Monopoly und einer Flasche Weißwein.

 

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