Obwohl wir wieder um 8.15 Uhr aufstehen, ist es trotzdem 11 Uhr bis wir gefrühstückt, gespült und gepackt haben. Der neu gekaufte Kaffee ist eine Enttäuschung. Er ist scheinbar mit Zimt und Kardamom gewürzt und gar nicht unser Fall.
Wir fahren auf einer vierspurig ausgebauten Straße durch Felder. Endlich können wir auch mal wieder 100 km/h fahren und Strecke machen. Je näher wir Richtung Agadir kommt, desto dichter wird der Verkehr und die Landschaft wird grüner. Im Vorort von Agadir stehen wir tatsächlich im ersten Stau. Neben dem starken Verkehr müssen gleichzeitig noch Palmen gefällt werden. Und welches Gerät würde sich dazu besser eignen als ein Bagger?!
Unser erstes Ziel ist der Uniprix-Supermarkt, weil wir einkaufen müssen und unsere Recherche ergeben hat, dass man dort auch Alkohol kaufen kann. Wir finden einen Parkplatz in der Nähe auf der Straße. Die Tasche müssen wir am Eingang abgeben und wir kommen uns vor, als würden wir etwas Illegales einkaufen. Der Laden entpuppt sich als mittelprächtig ausgestatteter Ramschladen mit allem was man nicht braucht: von Importware bis hin zu „Markenklamotten“. Tatsächlich gibt es auch eine relativ große Weinabteilung, wo wir drei Flaschen Wein und zwei Flaschen marokkanisches Bier auswählen. Leider ist von Lebensmitteln weit und breit nichts zu sehen. Also machen wir den nächsten Halt beim Carrefour-Supermarkt. Hier gibt es alles, was das europäische Herz begehrt, entsprechend sind auch das Publikum und die Preise. Wir stocken unseren Lebensmittelvorrat auf, nehmen ein neues Messer mit, welches sich als der absolute Fehlkauf entpuppt.
Agadir gefällt uns auf den ersten Blick überhaupt nicht. Die Stadt hat eigentlich nichts mit dem Marokko zu tun, was wir kennengelernt haben und so bleiben wir auch nicht länger als nötig. Schon im übernächsten Ort ist alles wieder wie gehabt, statt Datteln und Mandarinen werden hier allerdings Bananen verkauft;
Wir fahren die Küstenstraße entlang nach Norden. Pünktlich zum Beginn einer recht steilen Serpentinenstrecke fahren wir auf einen Kleinlaster auf, dieser bremst uns auf ca 8km/h runter. Nach wenigen Kurven wird es Jan zu bunt und er überholt den LKW, ein paar Marokkaner tun es ihm gleich. Oben angekommen wartet schon die Polizeikontrolle auf uns. Überholen bei durchgezogener Linie kostet 700 DH. Weil wir aber so nette Touristen sind, bekommen wir einen Sonderpreis von 400 DH und ohne Ticket gibt es das Ganze sogar für nur 200 DH („fifty-fifty? Pas de problème?“). Unsere marokkanischen Verfolger haben nichts bezahlt…. Naja. Wir fragen uns, ob der LKW-Fahrer wohl ein Zivilpolizist ist, der den ganzen Tag langsam den Berg hoch und runter fährt, um Überholmanöver zu provozieren…
Gegen 16 Uhr erreichen wir den Campingplatz in Imsouane. Er ist deutlich voller als alle anderen Plätze. Einige Holländer und Franzosen haben sich zum Überwintern eingefunden. Bei Temperaturen um 18 Grad lässt es sich ja auch ganz gut aushalten. Am Empfang treffen wir keinen Menschen an, also fahren wir einfach mal auf den Platz. Irgendwann kommt dann auch jemand vorbei. Die Übernachtung soll 80 DH kosten. Wir haben mal wieder nur einen 200 DH-Schein und unser Gegenüber natürlich kein Wechselgeld. Bringt er uns aber vorbei, sagt er. Auf dem Campingplatz gibt es ein paar streundende Hunde und Katzen, die aber harmlos sind.
Wir kochen einen Kaffee und gehen dann eine Runde an der Küste spazieren. Später zum Abendessen schmeißen wir endlich mal wieder den Grill an. Es gibt Rindswürstchen, Bulgursalat, Guacamole und Baguette, dazu eine halbe Flasche Rotwein. Endlich wieder Alkohol 😉

Während der Fahrt hat uns langsam aber sicher ein Klappern am Auto genervt. Wir konnten es erst nicht wirklich zuordnen und sind weitergefahren. Abends stellen wir dann fest, dass der Wassertank einfach so leer ist, dass die Pumpe innen drin klappert. Das Problem sollte sich also leicht beheben lassen.

Wir stehen um 8:30 Uhr auf. Da wir kein Brot mehr haben, gibt es heute Müsli zum Frühstück und wir setzen eine Brotteig auf.
Es ist wunderschönes Wetter und wir machen einen Spaziergang an der Küste entlang, wo wir die Wellen beobachten, die gegen die Felsen donnern. Gegen Mittag sind sogar ein paar Surfer im Wasser: Wir schauen ihnen ein paar Minuten und sind schon ein bisschen neidisch. Beim nächsten mal sollten wir dafür auch Zeit einplanen, wir hatten ja schließlich im Sommer einen Surfkurs an der französischen Atlantikküste gemacht.
Zurück am Camp lernen wir wieder eine Lektion: Seinen Müll sollte man nicht draußen liegenlassen. Die Hunde haben die Milchtüte auseinandergenommen. Entgegen der Beschreibung im Reiseführer, gibt es zur Zeit keine funktionierende Waschmaschine, oder der Typ am Empfang hat uns einfach nicht verstanden. Wir waschen die Wäsche also per Hand und beschränken uns auf das Nötigste.
Den Rest des Tages verbringt Saskia mit Lesen und Jan damit, irgendwelchen Unsinn zu machen.
Irgendwann wechseln wir vom Kaffee zum Bier.
Der Campingplatz ist wie leergefegt, wo die Leute aber alle hin sind, können wir uns nicht erklären, in der Bucht ist keiner zu sehen. Vielleicht haben wir irgendeine Attraktion verpasst….
Abends gehen wir nochmal Wellen gucken und lernen auf dem Rückweg zwei Freiburger kennen, die in 2,5 Monaten mit dem Rad von Deutschland nach Marokko gefahren sind. Sie haben beschlossen noch einen Monat in Imsouane zu bleiben. Das würden wir auch gerne, aber für uns ist klar, dass es morgen weitergeht.
Obwohl wir den ganzen Tag Zeit hatten, ist es wieder dunkel als wir anfangen zu kochen. Die marokkanische Mortadella, die wir in Agadir gekauft haben, ist definitiv nicht weiterzuempfehlen.
Der Rotwein ist allerdings ganz in Ordnung.

 

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