Die Nacht war ziemlich kalt, zum Glück haben wir die Standheizung aber zumindest zum Aufstehen programmiert. Nach dem Duschen gönnen wir uns ein Frühstück mit Bacon, Rührei und selbstgebackenem Brot von gestern. Dann packen wir langsam zusammen, zahlen 85 DH für die Übernachtung inklusive Duschen gezahlt und verlassen um kurz nach zehn Uhr den Campingplatz.
Unsere Fahrt führt uns durch ziemlich abwechslungsreiche Landschaft. Die Straße ist hier einspurig mit zwei breiten Standstreifen und in einem relativ schlechtem Zustand. Daher fahren wir meist neben der Straße. Nach ca. 50 km erreichen wir eine Baustelle oder kaputte Straße (nicht ganz eindeutig) und kurz danach überholen wir die beiden anderen Deutschen von gestern mit ihrem Caddy.
Im Antiatlas liegt auf 1800 m Schnee, zum Glück aber nur neben der Straße und auch nicht besonders viel. Trotzdem halten viele Autos an und feiern den Schnee. Scheinbar passiert das hier nicht allzu oft.
Vom Antiatlas fahren wir ab nach Tallouine, wo wir den Souk besuchen wollen.
Die Zufahrt zum Souk führt uns durch ein Flussbett, welches für den CuBus aber kein Problem darstellt. Wir parken einfach mal am Rand des Viehfutter-Markts. So wissen auch alle, dass wir da sind.
Dann stürzen wir uns rein ins Getöse und erkunden erst einmal den gesamten Markt. Da unser Dattelvorrat sich dem Ende neigt, kaufen wir uns eine neue, noch größere Kiste. Da der Reiseführer Recht hat und es auf diesem Souk keine Touristen gibt, dauert es eine ganze Weile bis wir mit Hilfe der umstehenden Leute diesen Kauf abgewickelt haben. Die Datteln sind hier günstiger als am Straßenrand (25 DH pro große Kiste).
Beim Gemischtwarenhändler finden wir einen Eimer mit Kaffeepulver und kaufen davon ein halbes Kilo für 30 DH. Da es an dem Stand offenbar fast alles gibt, versuchen wir nach Eiern zu fragen. Auch hier stoßen wir auf sprachliche Barrieren. Da wir weder mit Englisch noch mit Französich weiterkommen, versucht Saskia es mit Pantomime. Wem wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgefallen waren, der hat uns zumindest jetzt bemerkt. Auf dem Gesicht des Händlers breitet sich Verständnis aus, wir freuen uns über unseren Erfolg und gehen zu dem beschriebenen Stand… Dort kann man Hühner und Küken kaufen. Hmpf!

In der Zwischenzeit hat der Händler jedoch jemanden aufgetrieben, der zumindest 3-5 Wörter Englisch spricht. Dieser sammelt uns an dem Hühnerstand ein und läuft mit uns zum übernächsten Laden. Dort bekommen wir endlich das gewünschte Gut und zahlen 10 DH für 6 Eier (wir gehen von etwa 50 % Provision für den Dolmetscher aus…).
Auf unserer ersten Runde haben wir das ersehnte Eimer-aus-Autoreifen-Fachgeschäft gesehen, wohin wir jetzt noch einmal zurückkehren. Nach einer kurzen Verständigung untereinander, wieviel wir denn maximal für so ein Unikat ausgeben würden, einigen wir uns auf eine Schmerzgrenze von 100 DH, Saskia quengelt schließlich seit der Wüstentour herum. Als wir auf unsere Frage nach dem Preis die Antwort „20 DH“ bekommen, die auf Nachfrage nochmal bestätigt wird, vergessen wir vor lauter Freude sogar das Handeln. Wahrscheinlich lachen die sich ins Fäustchen für das Geschäft. Wir freuen uns dennoch, dass wir so günstig einen praktischen Kunstgegenstand erstanden. Er dient jetzt als robuster Mülleimer und es steht sogar Goodyear drin!

Jetzt haben wir alles, was wir kaufen wollten, also gehen wir zurück zum Auto und fahren weiter Richtung Taroudant. Dort kommen wir um 15:30 Uhr am Campingplatz an, bauen schnell auf und trinken auf marokkanische Art erstmal einen Tee. Um 16:00 Uhr gehen wir dann in die Stadt. Auf dem Weg dahin stellen wir fest, dass wir keine Ahnung haben wo wir hinmüssen und erst Recht keinen Stadtplan besitzen. WIr laufen trotzdem weiter und gelangen irgendwann zu einer Palmenallee, die zu einem Tor in der Stadtmauer führt. Aus irgendeinem Grund gehen wir aber erst durch das nächste Stadttor und dann immer den anderen Leuten nach, so dass wir nach ein paar Minuten in dem etwas geschäftigeren Teil der Stadt ankommen. Wir streuen etwas herum (unsere EInkäufe haben wir ja erledigt) und finden den Eingang zu dem etwas versteckt gelegenen Souk.
Wir schlendern auch hier ein bisschen durch und schlängeln uns immer mal wieder raus und wieder rein ins Gemenge. Es gibt viele Obst- und Gemüsehändler, hier scheinen aber auch frisch verbrannte Maiskolben der Renner zu sein. Irgendwann versuchen wir den Weg zurück zum Campingplatz zu finden, was uns mit Hilfe des Handykompasses auch ganz gut gelingt. Natürlich ist es mittlerweile mal wieder dunkel. Beim letzten haben Laden, der ca. 1,5 km vor dem Campingplatz liegt, kaufen wir noch ein paar Bananen, eine Flasche Cola und ein Baguette für insgesamt 14 DH.

Beim Abendessen unterhalten wir uns noch ganz kurz mit den Engländern, die auf dem gleichen Platz stehen. Sie hatten uns am Erg Chebbi schon mal überholt und dort wie bescheuert gewunken.
Ein besonderes Highlight des Campingplatzes ist das Wifi! Allerdings ist Taroudant auch der erste Ort, wo wir mit unserer SIM-Karte mal schnelles Internet haben…

 

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