Die Nacht ist kälter als erwartet, trotzdem verzichten wir auf die Standheizung. Um halb acht sollen wir Brot geliefert bekommen, deshalb hatten wir den Wecker schon auf 07:15h gestellt. Das Brot kommt dann erst um kurz nach acht, naja… Inshallah um 7:30 Uhr halt…Wir frühstücken und duschen tatsächlich mal heiß. Die Abfahrt ist für 10.30 Uhr geplant. Um 10 Uhr kommt unser Guide Ali und meint, er wäre jetzt da und wir können dann los, wir sollen uns aber keinen Stress machen. Ja, ist klar.
Fünfzehn Minuten Später sind wir dann auch soweit, nur noch schnell ein paar Sachen in den Rucksack schmeißen und auf zur Straße, wo der Fahrer auf uns warten sollte, der war natürlich noch nicht da…. Also warten wir dann doch bis 10:30Uhr bis Assou (traditionell mit Turban und blauem Gewand) in seinem Landcruiser um die Ecke kommt.
Ali spricht ganz gut Englisch, obwohl er es nur von den Touristen gelernt hat. Assou hingegen spricht etwa zwei Worte deutsch („Alles gut?“).
Auf geht’s Richtung Erg Chigaga, mit einem Abstecher durch M’Hamid-Downtown. Als Tourist hat man wohl mit dem Auto kaum eine Chance durchzukommen, ohne von irgendwelchen Führern angequatscht zu werden, aber selbst wenn dieser am Steuer sitzt, muss überall angehalten werden und ständig laden irgendwelche Leute irgendetwas ins Auto oder schmeißen Säcke auf den Dachgepäckträger. Am letzten Laden kaufen wir auf Alis Drängen hin noch mal Wasser für den Trip (die haben bestimmt einen Deal mit dem Ladenbesitzer da). Ali selbst kauft Mandarinen, die er großzügig mit uns teilt.
Endlich geht es richtig los: Steinwüste und erste kleinere Dünen wechseln sich ab. Zunächst verfolgen wir einen Nomaden auf seinem Neuzeit-Kamel (Moped) über welchen sich Assou und Ali sich fast kaputt lachen, weil er mehr mit den Füßen anschiebt als fährt.
Wir machen einen ersten Zwischenstopp, als wir den Nomaden eingeholt haben und gucken uns ein paar Steine an, die da so rumliegen. Es gibt die Möglichkeit Fotos zu machen, allerdings ist uns das Motiv nicht ganz klar und so werden wir selbst zum Motiv. Ein zweiter Zwischenstopp wird an der ersten etwas höheren und einsamen Düne (vielleicht so 3-4 m hoch) eingelegt. Von dort kann man immerhin bereits die höchsten Dünen vom Erg Chigaga sehen. Assou zeigt uns einen wilden Rucola. In einem der weiteren Dünenfelder fahren wir dann an einer Gruppe mit etwa 10 nagelneuen Landcruisern vorbei. Hier handelt es sich wohl um einige reiche Kataris, die hier mit ihren Falken jagen gehen. Ihre Tiere sitzen mit verbundenen Augen neben den Autos.
Wir erreichen einen Brunnen, wo gerade zwei Nomadinnen Wäsche waschen. Assou scheint hier draußen viele Menschen zu kennen und unterhält sich mit den beiden Frauen. Es liegen ein paar selbstgemachte Schmuckgegenstände aus, die man kaufen könnte. Machen wir aber nicht. Saskia ist fasziniert von dem Eimer, mit dem Wasser aus dem Brunnen geholt werden kann. Dieser ist aus einem Autoreifen gebaut worden. Den kann man allerdings nicht kaufen.
Als nächstes halten wir an der Lagerstätte von einer Nomadenfamilie, wo Assou dann das erste Mal einen Teil der vorher eingekauften Sachen verteilt. Dafür können wir uns dort das Lager ansehen und bekommen einen kleinen Eindruck von ihrer Lebensweise. Außerdem bekommen wir natürlich einen Tee und frisch gebackenes Brot. Interessanterweise hat die Familie zwei kleine Solarpanels, mit denen sie ihre Handys aufladen können. Kurz zuvor wurde scheinbar geschlachtet, daher liegen noch ein paar frische Ziegenfüße rum. Uns ist die Situation irgendwie unangenehm, daher sind wir froh, als es weitergeht.
Die Oasis Sacree ist dann der nächste und letzte Stopp auf der Fahrt zum Camp. Hier kommt eine Quelle mitten in der Wüste ans Tageslicht und das einigermaßen warme Wasser strömt aus dem Erdinnern an die Oberfläche. Als wäre das nicht genug, gibt es hier sogar Frösche mitten in der Wüste! Während wir uns umsehen, werden die restlichen Einkäufe abgeladen. Ob zu dekorativen Zwecken oder weil sich keiner zuständig fühlt, liegt noch ein altes zurückgelassenes Dakar-Autowrack am Wegesrand.

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Dann geht es weiter durch einen Wald aus Wüsten-Avocados zum Camp, welches wir für uns ganz alleine haben. Dort angekommen gibt es natürlich erstmal Tee und wir können ein wenig in der Sonne sitzen, wo wir uns prompt einen Sonnenbrand einfangen. Nach einem kleinen Erkundungsspaziergang gibt es Mittagessen (Grillspießen mit Salat und Reis). Da es kein Wasser dazu gibt, sind wir nun doch froh um Alis Tipp und trinken unser selbst mitgebrachtes Wasser. Uns kommt dieses Geschäftsmodell etwas merkwürdig vor.
Um 16:10 Uhr sollen die Kamele kommen, die allerdings schon um 15:50 Uhr bereit stehen, sodass dann mal wieder etwas Stress angesagt ist. Wir gewöhnen uns langsam daran.
Rauf auf das Dromedäääääär und ab geht’s! Es ist eine ziemlich schauklige Angelegenheit und vor allem bergab sind die Tiere etwas unrhythmisch unterwegs. Jan entscheidet schnell, dass sie es nicht in die Top 100 seiner liebsten Fortbewegungsmittel schaffen werden. Wenigstens laufen die Tiere brav dem Führer hinterher. Nach ca. einer Stunde stoppen wir an einer der höheren Dünen um uns von dort den Sonnenuntergang anzusehen. Fast seit Beginn der Tour werden wir von einem Hund verfolgt, der sich auch den Sonnenuntergang mit uns nicht entgehen lassen will. Er trampelt alle Dünenkämme, die sich für schöne Fotos geeignet hätten, kaputt. Ob er das wohl absichtlich gemacht hat?

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Bei der Ankunft im Camp ist es schon fast wieder dunkel. Wir trinken wieder einen Tee und unterhalten uns eine ganze Weile mit Ali und erfahren ein bisschen mehr über das Leben in Marokko. Zum Abendessen gibt es Reissuppe, Tajine mit Gemüse und Rindfleisch und zum Nachtisch Mandarinen und Äpfel.
Nach dem Essen stürmen einige Katzen das Restaurant bis Assou kommt und sie verscheucht, weil er sich sein Nachtlager in dem Aufenthaltszelt bauen will. Wir möchten da natürlich nicht stören und verabschieden uns relativ zeitig ins Bett.

Wir sehen uns noch eine Weile die Sterne an und machen ein paar Fotos. Es ist aber sehr kalt und wir halten es nicht lange draußen aus.

Die Nacht ist trotz vieler Decken ziemlich kalt, vor allem an den Füßen und überall dort, wo etwas unter der Decke hervorlugt. Bei jedem Umdrehen werden wir wach, weil die Matraze an der Stelle, wo vorher keiner lag eisig ist. Früh klingelt der Wecker, den wir uns extra so gestellt haben, dass wir den Sonnenaufgang gucken können. Nachdem wir unsere Kleidung unter der Decke etwas angewärmt haben, schaffen wir es tatsächlich pünktlich fertig zu sein und klettern um kurz vor sieben auf eine der näheren Dünen. Leider lässt die Sonne noch ein wenig auf sich warten und so frieren wir vor uns hin. Um ca. 7.10 Uhr geht die Sonne dann auf, wir machen ein paar Fotos, beschränken uns den Großteil der Zeit aber auf das Gucken.
Gegen 7:30 Uhr gehen wir wieder zurück ins Camp und bekommen auch direkt ein einfaches Frühstück, welches bis auf den Instant-Kaffee völlig in Ordnung ist. Danach geht es zurück Richtung M’Hamid, mit einem kurzen Zwischenstopp am Nachbarcamp, wo wir uns einen Kompressor ausleihen, weil ein Reifen scheinbar Luft verliert. Die Route auf dem Rückweg ist etwas anders als auf dem Hinweg und wir fahren diesmal näher am Erg entlang und durch mehr Dünen. Als wir unseren Ausgangpunkt erreichen ist es ca. 10:40 Uhr. WIr bekommen ein Tee zum Aufwärmen und wechseln Geld, damit wir etwas Trinkgeld geben können.
Dann packen wir unsere Sachen zusammen und kratzen unsere Geldreserven zusammen um die 1790 DH insgesamt bezahlen zu können. Da es zu windig ist, ist noch immer keine Kartenzahlung möglich.

Dann brechen wir auf nach Zagora. Dort gibt es einen Bankautomaten und wir füllen unsere Geldbeutel wieder auf. Wir entscheiden uns für den Einstieg in eine Pistenalternative zur N12, die sich aber als wenig spannend entpuppt und unser Navigationsssystem etwas überfordert. Es gibt viel Landschaft, die allerdings sehr eintönig ist. Nach 25 km zwischen Feldern wechseln wir wieder auf die Nationalstraße. Zwischendurch regnet es tatsächlich ein paar Mal kurz und wir sehen einen tollen Regenbogen. Es gibt quasi keinen Verkehr und um uns herum besteht fast alles aus landwirtschaftlichen Nutzfläschen. Dafür darf Jan endlich mal wieder 100 km/h fahren.
Als sehr zuverlässig erweisen sich hier die Dromedar-Warnschilder. Kaum haben wir eines passiert, überquert dahinter eine relativ große Herde die Straße. Die komplette Fahrt verläuft zwischen zwei Bergketten.
Wir erreichen einen kleinen Ort vor Foum Zguid und entscheiden uns gegen die Weiterfahrt, um endlich mal wieder im Hellen zu kochen. Es gibt Nudelauflauf aus dem Omnia. Der Campingplatz ist mal wieder relativ einfach, aber in Ordnung. Die angeschlossene Hotelanlage scheint sehr nett zu sein. Neben uns parkt ein weiteres deutsches Ehepaar aus SW.
Wir backen Brot für den kommenden Tag, speichern unsere Fotos ab und planen die nächsten Tage. Mal wieder kommen wir zu dem Schluss, dass wir uns ziemlich viel vorgenommen haben…

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